Mama: Am Samstag abend rief Opa Gad mit einer schlechten Nachricht an. Meine Oma lag im Krankenhaus. Sie hatte eine Entzündung des Dünndarms und die Ärzte gaben an, dass sie damit wahrscheinlich noch höchstens 48 Stunden zu leben hätte. Man konnte sonst auch nichts tun gegen die Entzündung oder für einen gesunden, gut funktionierenden Dünndarm. Wir beschlossen ziemlich schnell, noch am selben Abend am nächsten Tag nach Berlin zu fahren. Natürlich musste dann noch alles mögliche organisiert werden. Wir mussten all unsere und Jairs Sachen packen, inclusieve Hochstuhl und andere Dinge.

Im Eiltempo fuhren wir am nächsten Tag früh morgens los nach Berlin. Bei der letzten Rast telefonierte ich noch mit meinem Papa und der sagte wir sollten uns beeilen. Also noch einen schnellen Endspurt hingelegt. Um 7 Uhr morgens waren wir losgefahren und um 14.15 Uhr kamen wir im Krankenhaus an. Mein Vater war schon dort. Er teilte uns mit, dass sie im Moment nicht selbst atmete. Ausserdem bekam sie Morfin. Die Ärzte hatten gesagt, dass man die Beatmung wenn sie selber atmen würde eventuell ausmachen könnte. Es könne dann sein, dass sie dann noch einmal zu sich kommen würde und eventuell mit uns sprechen würde. Danach würde sie ganz ruhig einschlafen, genau wie beim Tod durch Alter. Kurz danach kam auch Dina an. Wir sassen noch eine Stunde oder so an ihrem Bett. Es gab einen Moment bei dem sie auf einmal selbst atmete, aber das sackt auch relativ schnell wieder weg. Wir gingen weg um eine Kleinigkeit zu essen und kehrten dann zu ihrem Bett zurück. Da sich keine Veränderung ergeben hatte, gingen wir ins Hotel bzw zu unserer Unterkunft zurück und wollten am nächsten Tag zurückkommen. Beim Verlassen des Krankenhauses bat mein Vater um einen Anruf falls sich noch etwas ereignen sollte. Ich hatte mit Papa vereinbart, dass er uns anrufen würde falls er einen Anruf bekommen würde.

Jair denkt: Im Hotel hattest du, Mama, noch Kartoffeln und alles mögliche Gemüse für mich. Ich ass das alles sehr gut. Danch hast du mich umgezogen in meinen Schlafsack, Zähne geputzt und so weiter und so fort. Danach durfte ich ins Bett, ein eigenes einpersonsbett. Durch Kissen und Decken an der Seite habt ihr verhindert, dass ich da rausfallen konnte. Ich habe herrlich geschlafen und spät als ich aufwachte noch gegessen. Die Nacht habe ich leider weniger gut geschlafen. Nachts habt ihr mich dann in euer Bett genommen. 

Mama: Um 6.20 Uhr bekam ich einen Anruf.  Ich schaute instinctief als erstes auf das Display. Es war mein Vater. Daher wusste ich sofort, dass es schlechte Nachrichten gab. Mein Vater sagte, dass Oma vor einigen Minuten gestorben war und er einen Anruf vom Krankenhaus bekommen hatte. Wir vereinbarten, dass Papa zu uns kommen würde. Als wir beim Frühstück sassen kam er dazu. Er meinte, dass er schon mit der jüdischen Gemeinde und mit dem Krankenhaus gesprochen hatte. Das Krankenhaus hatte angeboten, dass wir sie noch mal sehen konnten wenn wir wollten und baten um einen Anruf, falls wir dorthin kamen. Als erstes fuhren wir zusammen zum Krankenhaus. Erst waren ich und meine Schwester uns nicht so sicher ob wir sie sehen wollten. Das haben wir schliesslich aber doch gemacht. Danach fuhren wir zur jüdischen Gemeinde. Dort regelten wir alles für die Beerdigung. Zu unserer Enttäuschung sollte die Beerdigung erst Ende der Woche stattfinden. Daran war absolut nichts aus zu richten. Du warst so kaputt von der schlechten Nacht und allen Emotionen, dass du die ganze Zeit seit dem Verlassen des Krankenhauses bis zum Verlassen der Gemeinde durchgeschlafen hast. In einem Cafe in der Nähe holten wir uns einen Kaffee und besprachen was wir weiter machen würden. Wir blieben eine ganze Weile dort sitzen und benachrichtigten alle möglichen Leute. Nach einiger Zeit bringt Michael meine Schwester zur Zughaltestelle, denn sie fährt wieder zurück. Ich fahre mit meinem Vater und unserem Sohn in Omas Wohnung. Abends trafen wir uns noch mit einer guten Freundin von mir, die mir ihre Hilfe angeboten hatte. Am nächsten Tag kehrten wir nach Hause zurück.